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Die Praxis sieht leider oft ganz anders aus. Das natürlich herangereifte Bodengefüge wird drastisch gestört. Die typische Folge ist ein erschöpfter, ausgelaugter Boden. Die Pflanzen, die er trägt, sind anfällig gegen jede Art von Umwelteinfluss. Damit aber ist ein gemeinsames Gedeihen mit der Tierwelt nicht mehr möglich, denn nur wenige Arten finden noch eine Existenzgrundlage. Diese Arten werden schnell zu Schädlingen. Und dann ist da nicht zuletzt der Mensch, der verzweifelt gegen Pflanzenkrankheiten und Insektenkalamitäten seines Gartens ankämpft. Es geht auch anders. Vier Dinge nämlich braucht der Boden im Garten, um zu gesunden oder gesund zu bleiben und fruchtbar zu sein:
Zweitens das Mulchen. Mulchen nennt man die Bedeckung des Bodens zwischen den Kulturen. In der ungestörten Natur gibt es keine freien Stellen. Aller Boden ist entweder mit lebenden Pflanzen oder der Streu von abgestorbenen Pflanzenteilen bedeckt. Das ist von zentraler Bedeutung für den Boden darunter. Der Mulch wirkt wie eine schützende Decke gegen heftige Niederschläge, Verschlämmung, Kälte, Wind, Austrocknung und Verkrustung. Gleichzeitig ist Mulch aber auch Nahrung für die Bodenlebewesen, die ihn in den Boden einarbeiten und mit den mineralischen Bestandteilen verkleben. Diese so genannte Flächenkompostierung lässt sich in der ungestörten Natur sehr gut am Waldboden beobachten. Mulch darf aber niemals zu dick aufgebracht werden, denn die schützende Deckschicht muss noch genügend Sauerstoff durchlassen. Deshalb sollten weiche und feuchte Abfälle wie Grasschnitt oder Laub angetrocknet werden. Das trockene Material mögen dann auch Schnecken nicht mehr. Außerdem eignet sich grober ungesiebter Kompost, sogar wenn er noch nicht ganz ausgereift ist. Die Organismen des Kompostes bereichern nämlich das Bodenleben. Bei der Ausbringung von Rindenmulch und Stroh muss beachtet werden, dass dem Boden durch die Rotte Stickstoff entzogen wird. Dieser Nährstoffverlust kann aber durch die Zugabe von Rasenschnitt oder Kompost ausgeglichen werden. Nebenbei wird durch Mulchen mit dem Erhalt einer gleichmäßigen Bodenfeuchte viel Wasser zur Bewässerung gespart. Drittens die Gründüngung auf abgeräumten Beeten.
Die Pflanzen, die sich zur Gründüngung eignen, bedecken den Boden. Lupinen, Inkarnatklee, Ackerbohne, Luzerne oder Esparsette binden und speichern gleichzeitig zusätzlichen Luftstickstoff. Ölrettich und Winterraps sorgen für eine gründliche Tiefenlockerung. Andere Arten wie die Ringelblume vertreiben unerwünschte Bodenbewohner wie z. B. Nematoden. Vor einer Neubepflanzung oder Aussaat werden die Reste der Gründüngungspflanzen abgeräumt und kompostiert oder als Mulch verwendet. Viertens die größtmögliche Zurückhaltung des Menschen im Garten. Die empfindlichen Bodenlebewesen vertragen drastische mechanische und chemische Eingriffe nicht. Die guten Geister werden vertrieben oder sterben ab, anstatt dass sie weiter auflockern, Nährstoffe pflanzenverfügbar machen und den Humusanteil vermehren. Ein gesunder Boden, reich an Bakterien, Pilzen und niederen Tieren, ist der beste Schutz gegen Schorf, Rost, Sternrußtau und Pflanzenfäule. Bodenorganismen stehen auch auf dem Speiseplan von höheren Tieren. Bei einem reich gedeckten Tisch fühlen sich Igel und Rotkehlchen wie zu Hause, wenn der Garten auch noch genügend Versteckmöglichkeiten bietet. Übrigens sind Pflanzen- und Tierwelt an Säumen und Übergangszonen am Vielfältigsten, während mit einer ausgedehnten Rasenfläche nur wenige Lebewesen zurechtkommen |