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11.09.2006

Leben mit Demenz

Es beginnt langsam, fast unmerklich.
Das Leben verläuft erfolgreich, mit einem schönen Hobby und einem großen Freundeskreis.
Es gibt viele Pläne für die bevorstehende Zeit als aktiver Ruheständler. Doch immer öfter funktionieren die Dinge des täglichen Lebens nicht mehr. Rechnungen werden vergessen zu bezahlen, Dinge an ungewohnte Orte verlegt, es kommt zunehmend zu Fehlern bei Routineaufgaben. Immer häufiger fallen Namen von Bekannten nicht ein oder Bezeichnungen für alltägliche Gegenstände. Auch mit den Enkelkindern wird es zunehmend schwieriger, für die bekannten Gesellschaftsspiele ist keine Geduld mehr vorhanden. Die Freude am Miteinander geht verloren. Für all diese Dinge gibt es eine Entschuldigung.

Doch was, wenn die Entwicklung schlimmer wird? Gewohnte Wege nicht mehr gefunden werden, Freunde den Kontakt abbrechen, weil sie die seltsamen Veränderungen nicht verstehen oder Streitereien in der Familie eskalieren? Die Ursache könnte eine beginnende Alzheimer-Erkrankung sein.

Die Alzheimer-Krankheit ist die wohl bekannteste und häufigste Form der Demenzerkrankungen.


Das wichtigste über die Alzheimer-Krankheit:
Die Alzheimer-Krankheit ist gekennzeichnet durch den langsam fortschreitenden Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten.
Im Gehirn von Alzheimer-Kranken sind typische Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques) festzustellen.
Die Alzheimer-Krankheit kann schon vor dem 50. Lebensjahr auftreten, ihre Häufigkeit steigt aber mit Zunahme des Lebensalters steil an und kann jeden treffen. Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch Gedächtnis- und Orientierungsstörungen sowie Störungen des Denk- und Urteilsvermögens. Die Störungen machen die Bewältigung des normalen Alltagslebens immer schwieriger. Die Patienten sind zunehmend auf Hilfe und Unterstützung angewiesen.

In Deutschland leben gegenwärtig fast 1 Million Demenzkranke; zwei Drittel von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Bis 2050 wird die Zahl der Demenzkranken voraussichtlich auf mehr als 2 Millionen ansteigen, sofern kein Durchbruch in Vorbeugung und Therapie gelingt.

Der Beginn der Alzheimer-Erkrankung:

Es ist normal, wenn man gelegentlich Aufgaben, Namen von Kollegen oder Geschäftspartnern
oder Telefonnummern vergisst und sich erst später an sie erinnert. Alzheimer-Kranke hingegen vergessen öfter und erinnern sich später nicht mehr an das Vergessene. Das Typische dabei ist: sie vertuschen zunächst ihre Schwächen, schreiben sich Merkzettel und würden nie zugeben, dass sie vergesslich geworden sind.
Das Gleiche gilt für erst kürzlich zurückliegende Ereignisse. Der Mensch mit Demenz weiß zum Beispiel nicht mehr, dass er vor einer Stunde noch spazieren war. Zu Beginn der Alzheimer-Erkrankung sind meist nur das Kurzzeitgedächtnis und das Lernvermögen beeinträchtigt. Im weiteren Verlauf wird dann auch das Langzeitgedächtnis mehr und mehr in Mitleidenschaft gezogen. Selbst Angehörige und Freunde werden dann nicht mehr erkannt und als Fremde bezeichnet.
Es ist normal, Dinge wie zum Beispiel Schlüssel mal zu verlegen. Alzheimer-Kranke hingegen legen Dinge an verkehrte Orte: Das Bügeleisen in den Kühlschrank, die Socken in die Blumenvase oder die Armbanduhr in die Zuckerdose.
Es ist normal, wenn Sie kurz mal vergessen, wohin Sie sich eigentlich gerade begeben wollten. Alzheimer-Kranke verirren sich jedoch in ihrer gewohnten Umgebung, weil sie nicht wissen, wie sie da hingekommen sind und wie sie nach Hause finden.
Es ist normal, wenn Sie kurz vergessen, welchen Wochentag wir haben. Alzheimer-Kranke hingegen wissen manchmal noch nicht einmal das Jahr und wähnen sich in völlig anderen Lebensabschnitten.

Im Verlauf der Erkrankung können sich Verhaltensauffälligkeiten zeigen:

Verhaltensauffälligkeiten zeigen sich in ganz unterschiedlicher Form, von sozialem Rückzug, Depression, gestörtem Schlaf-Wach-Rhythmus mit nächtlichen Schlafstörungen und Umherirren, Unruhe, ziellosem Umherwandern, Misstrauen oder Feindseeligkeit und Aggression mit lautem Schreien und Schimpfen bis hin zu Wahnvorstellungen und Halluzinationen.

Die Alzheimer-Krankheit ist neben einem gesellschaftlichen Problem in erster Linie eine immense Belastung für die Betroffenen und deren Angehörige. Diese benötigen Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Probleme und Anerkennung ihrer Veränderung als Krankheit. Die Angehörigen bedürfen ebenfalls Unterstützung und Anerkennung ihrer Belastungen und Leistungen bei der Pflege. Es handelt sich vielfach um eine „verschämte Krankheit“, über die man nicht gerne spricht.

Um über Demenzerkrankungen und die vielfältigen Belastungen für Betroffene und deren Angehörige aufzuklären, hat sich auf Initiative des Gesundheitsamtes des Landkreises Cuxhaven ein Arbeitskreis gebildet.
Dieser „Arbeitskreis Gerontopsychiatrie“ setzt sich multiprofessionell zusammen. Teilnehmer sind u. a. die Alzheimergesellschaft, Angehörige betroffener Mitbürger, Fachärzte, Heimleiter, Pflegedienstleiter, Mitarbeiter des Landkreises.
Der Arbeitskreis möchte helfen, Vorurteile und Ängste gegenüber der Demenzerkrankung abzubauen und regelmäßige Artikel zu dem Krankheitsbild und Hilfsangeboten veröffentlichen.
Ziel des Arbeitskreises ist es, die Versorgung und Betreuung betroffener Bürger und deren Angehöriger durch Aufklärung, Beratung und Vernetzung vorhandener Hilfsangebote zu verbessern.
Autor/in: PresseInformationsDienst des Landkreises Cuxhaven
Quelle: Foto: www.pixelquelle.de