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16.06.2005

Fortsetzung der Ausgrabungen bei

Wittstedt Die Ausgrabung im Bereich einer Sandgrube, die im vergangenen von der Archäologischen Denkmalpflege begonnen worden war, wurde in diesem Frühsommer in einer Erweiterungsfläche fortgesetzt.

Erneut fanden sich die Spuren von Häusern, darunter zwei bislang in der Region nicht häufig belegte Speicherbauten.

Die Ausgrabungen waren notwendig geworden, weil der Sandgrubenbetrieb westlich von Wittstedt erweitert werden sollte. Seit Mitte Mai graben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises in der fast 8000 m² großen Fläche die Spuren von mehreren Häusern aus. Dabei konnten zwei fast vollständige Hausgrundrisse festgestellt werden. Die Verfärbungen im Boden zeigen deutlich, dass das eine Gebäude eine dreischiffige Bauweise aufwies und rund 13 m lang und 6 m breit war. Demgegenüber zeigt der zweite Grundriss eine 17,50 m lange und 5 m breite Halle ohne Innenpfosten; entlang der Außenwände nachgewiesene Pfostenspuren legen nahe, dass das Dach hier zusätzlich abgefangen worden war. Eine solche Bauweise wurde verschiedentlich nicht nur in Nordwestdeutschland nachgewiesen. Der nächste vergleichbare Grundriss fand sich in der Ortswüstung Dalem bei Neuenwalde und datiert in die Zeit um 800 n. Chr. Ein Modell dieses Hauses ist in der Dauerausstellung des Museums Burg Bederkesa zu sehen.

Eine erste Auswertung des Grabungsplanes lässt drei unterschiedliche Formen von Speicherbauten erkennen. Zwei dieser Bauten weisen einen annähernd kreisförmigen Grundriss mit zentralem Mittelpfosten auf und besitzen Durchmesser von rund 3,70 m bzw. 4,70 m. Bei ihnen handelt es sich um einfache Heuspeicher, sog. „Rutenberge“, wie sie in früh- bis hochmittelalterlichen Dörfern vielfach nachgewiesen werden konnten. Ihr Aussehen und ihre Funktion ist durch zahlreiche Bildquellen belegt.

Bei den beiden anderen Speichern handelt es sich um langgestreckte Bauten von knapp 7 m bzw. 15 m Länge. Das eine Gebäude zeigt zwei parallele Pfostenreihen, der größere Speicher weist drei Reihen auf, ist also als dreischiffig zu bezeichnen. Derartige bauliche Anlagen sind im Nordseeküstenraum seit dem 4. Jh. bekannt. Im Kreisgebiet konnten sie bislang mit wenigen Beispielen in Flögeln (4./5. Jh.) und Dalem (8.-10. Jh.) nachgewiesen werden. Im allgemeinen werden solche Speicher mit oberhalb der Geländeoberfläche gebauten Böden rekonstruiert, um die Erntevorräte luftig und vor Ungeziefer geschützt zu lagern.

Sämtliche Funde, ausschließlich Keramik, datieren auch die in diesem Jahr bei Wittstedt nachgewiesenen Siedlungsspuren in das 5. bis 9. Jh.

Insgesamt konnten 2004 und 2005 rund 2 ha dieser frühgeschichtlichen Siedlung ausgegraben werden. Dabei zeigt der Gesamtgrabungsplan deutlich, dass im Süden und Westen die Ränder des Dorfes erfasst sind. Mit weiteren Siedlungsspuren im Norden und im Osten muss gerechnet werden, wie zahlreiche Hausteile zeigen, von denen nur Randbereiche dokumentiert werden konnten.

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Autor/in: PresseInformationsDienst des Landkreises Cuxhaven