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10.11.2004
Siedlung des 5. bis 8./9. Jahrhunderts entdeckt
Westlich der Ortschaft Wittstedt, dort, wo bislang kein vorgeschichtlicher Fundplatz bekannt geworden war, wurde im Frühsommer 2004 damit begonnen, Sand abzubauen.
Es ist das große Verdienst des 61-jährigen Wittstedter Adolf Grotheer, Spuren in der frei geschobenen Fläche entdeckt zu haben, die auf prähistorische Fundbereiche schließen ließen. Umgehend setzte er davon die Archäologische Denkmalpflege in Kenntnis. Am 14.06. begann dann eine der umfangreichsten Untersuchungen, die die Mitarbeiter der Denkmalpflege durchführen mussten. Auf einer Fläche von zunächst 6600 m² wurden innerhalb kürzester Zeit mehr als 1000 Befunde computergestützt dokumentiert. Dabei handelte es sich vor allem um die Fundamentspuren von Häusern, so genannte Pfostenverfärbungen. Daneben fanden sich zahlreiche Reste auch von kleineren Gebäuden. Dabei standen die Arbeiten unter einem enormen Zeitdruck, da der Sandabbau unmittelbar bevorstand. Und so wurden, noch während die Dokumentation lief, im Südbereich die ersten rund 3000 m² Fläche abgebaggert. Schon Mitte August wurde die Gesamtabbaufläche auf eine Größe von 12300 m² erweitert.
Eine erste Planauswertung zeigt, dass die Reste von insgesamt mindestens 23 ebenerdigen Gebäuden erfasst werden konnten. Der längste, annähernd vollständige Hausgrundriss ist rund 34 m lang und knapp 9 m breit. Ein weiteres Haus weist eine Länge von mehr als 40 m auf, dabei besitzt es eine Breite von rund 5 m. Das kleinste Gebäude ist 7,90 m lang und rund 4 m breit. Diese Häuser dienten zu Wohnzwecken, in ihnen war zum Teil auch das Vieh aufgestallt.
Ergänzt wird dieses Bild einer Ansiedlung im ländlichen Raum durch 5 Speichergebäude, in denen die Vorräte für den Winter gelagert wurden.
Die besondere Bedeutung dieser Siedlungsgrabung liegt darin, dass es – nach den Untersuchungen des Niedersächsischen Institutes für historische Küstenforschung in den 70er und 80er Jahren in Dalem bei Neuenwalde – zum ersten Mal wieder gelang, Teile eines frühmittelalterlichen Dorfes in nennenswertem Umfang durch Ausgrabungen zu erschließen. Sämtliche Siedlungsspuren datieren in das 5. Jahrhundert nach Christi Geburt bis in das 9. Jahrhundert. Und während einerseits die bekannten Geest- und Marschdörfer im Laufe des 5. bzw. 6. Jh. nach Christi Geburt aufgegeben wurden und im nördlichen Kreisgebiet die frühesten Spuren der Neubesiedlung in das 7./8. Jh. datieren, hat es hier den Anschein, als ob bei Wittstedt eine Kontinuität der Siedlung von der Völkerwanderungszeit bis in das frühe Mittelalter bestand. Diese Überlegungen sind durch weitere Detailuntersuchungen am Fundstoff allerdings noch weiter zu erhärten. Zur Zeit kann die Frage nicht beantwortet werden, ob diese Siedlung in das heutige Dorf Wittstedt überleitet. Dazu fehlen eindeutige Funde des 10. bis 12./13. Jh.
Der Grabungsplan zeigt deutlich, dass lediglich Randbereiche dieser Ansiedlung erschlossen werden konnten. Ziemlich sicher scheint es zu sein, dass am Westrand die Grenze des Dorfes erfasst werden konnte. Deutlich wird aber auch, dass mit weiteren Siedlungsspuren im Norden, Osten und Süden zu rechnen ist.
Eine bemerkenswerte Komponente im Siedlungsbild stellen die 23 Grubenhäuser dar, Reste von kleinen in den Untergrund eingetieften Hütten, deren Dach tragende Konstruktionen aus 6 Pfosten bestanden. Bei ihnen handelt es sich im Allgemeinen um verhältnismäßig kleine Anlagen. Eines der kleinsten Gebäude misst 3,3 x 2,7 m, eines der größeren besitzt eine Länge von rund 5 m und eine Breite von rund 4,30 m. In verschiedenen Grubenhäusern konnten – zum Teil ungewöhnlich gut erhalten – gekuppelte Öfen aus Feldsteinen ausgegraben werden. Eines der am besten erhaltenen Exemplare mit einem Durchmesser von rund 1,20 m wird zum Tag des offenen Museums im Mai 2005 in einer steingerechten Rekonstruktion im Museum Burg Bederkesa ausgestellt.
Den Archäologen bot sich in einem Grubenhaus eine besondere Überraschung. Neben den Resten eines Ofens aus Findlingen fanden sich vollständig erhaltene Gefäße, in einer Siedlung ein ganz ungewöhnlicher Befund. Insgesamt konnten 6 Gefäße geborgen bzw. aus Scherben rekonstruiert werden. In der Verfüllung des Grubenhauses fanden sich des weiteren mehr als 100 Webgewichte aus schwach gebranntem Ton, die zeigen, dass hier ein Webstuhl zur Textilherstellung gestanden hat. Galt bisher der Befund eines solchen Webstuhles mit 106 Webgewichten in der mittelalterlichen Siedlung Dalem als einer der größten nachgewiesenen Webstühle europaweit, übertrifft die Zahl von 109 Webgewichten aus dem Wittstedter Grubenhaus diesen Befund. Brandspuren und eine große Zahl von Holzkohle in den Einfüllschichten oberhalb der Funde machen deutlich, dass dieses kleine Webhaus durch Feuer zerstört worden war. Dies erklärt auch, weshalb sich hier das umfangreiche Ensemble an Gefäßkeramik erhalten hat.
Nach 4 Grabungsmonaten wurden die Untersuchungen zunächst abgeschlossen, der Sandabbau kann also ungestört weiter durchgeführt werden. Zu danken ist der Firma Wilhelm Stührenberg GmbH, Nordenham, die in den ersten Grabungswochen verständnisvoll die Ausgrabungen hinnahm und in den Folgemonaten ihren Abbau eng mit der Archäologischen Denkmalpflege nicht nur abstimmte, sondern auch die Untersuchungen wesentlich förderte.
Eine erste Planauswertung zeigt, dass die Reste von insgesamt mindestens 23 ebenerdigen Gebäuden erfasst werden konnten. Der längste, annähernd vollständige Hausgrundriss ist rund 34 m lang und knapp 9 m breit. Ein weiteres Haus weist eine Länge von mehr als 40 m auf, dabei besitzt es eine Breite von rund 5 m. Das kleinste Gebäude ist 7,90 m lang und rund 4 m breit. Diese Häuser dienten zu Wohnzwecken, in ihnen war zum Teil auch das Vieh aufgestallt.
Ergänzt wird dieses Bild einer Ansiedlung im ländlichen Raum durch 5 Speichergebäude, in denen die Vorräte für den Winter gelagert wurden.
Die besondere Bedeutung dieser Siedlungsgrabung liegt darin, dass es – nach den Untersuchungen des Niedersächsischen Institutes für historische Küstenforschung in den 70er und 80er Jahren in Dalem bei Neuenwalde – zum ersten Mal wieder gelang, Teile eines frühmittelalterlichen Dorfes in nennenswertem Umfang durch Ausgrabungen zu erschließen. Sämtliche Siedlungsspuren datieren in das 5. Jahrhundert nach Christi Geburt bis in das 9. Jahrhundert. Und während einerseits die bekannten Geest- und Marschdörfer im Laufe des 5. bzw. 6. Jh. nach Christi Geburt aufgegeben wurden und im nördlichen Kreisgebiet die frühesten Spuren der Neubesiedlung in das 7./8. Jh. datieren, hat es hier den Anschein, als ob bei Wittstedt eine Kontinuität der Siedlung von der Völkerwanderungszeit bis in das frühe Mittelalter bestand. Diese Überlegungen sind durch weitere Detailuntersuchungen am Fundstoff allerdings noch weiter zu erhärten. Zur Zeit kann die Frage nicht beantwortet werden, ob diese Siedlung in das heutige Dorf Wittstedt überleitet. Dazu fehlen eindeutige Funde des 10. bis 12./13. Jh.
Der Grabungsplan zeigt deutlich, dass lediglich Randbereiche dieser Ansiedlung erschlossen werden konnten. Ziemlich sicher scheint es zu sein, dass am Westrand die Grenze des Dorfes erfasst werden konnte. Deutlich wird aber auch, dass mit weiteren Siedlungsspuren im Norden, Osten und Süden zu rechnen ist.
Eine bemerkenswerte Komponente im Siedlungsbild stellen die 23 Grubenhäuser dar, Reste von kleinen in den Untergrund eingetieften Hütten, deren Dach tragende Konstruktionen aus 6 Pfosten bestanden. Bei ihnen handelt es sich im Allgemeinen um verhältnismäßig kleine Anlagen. Eines der kleinsten Gebäude misst 3,3 x 2,7 m, eines der größeren besitzt eine Länge von rund 5 m und eine Breite von rund 4,30 m. In verschiedenen Grubenhäusern konnten – zum Teil ungewöhnlich gut erhalten – gekuppelte Öfen aus Feldsteinen ausgegraben werden. Eines der am besten erhaltenen Exemplare mit einem Durchmesser von rund 1,20 m wird zum Tag des offenen Museums im Mai 2005 in einer steingerechten Rekonstruktion im Museum Burg Bederkesa ausgestellt.
Den Archäologen bot sich in einem Grubenhaus eine besondere Überraschung. Neben den Resten eines Ofens aus Findlingen fanden sich vollständig erhaltene Gefäße, in einer Siedlung ein ganz ungewöhnlicher Befund. Insgesamt konnten 6 Gefäße geborgen bzw. aus Scherben rekonstruiert werden. In der Verfüllung des Grubenhauses fanden sich des weiteren mehr als 100 Webgewichte aus schwach gebranntem Ton, die zeigen, dass hier ein Webstuhl zur Textilherstellung gestanden hat. Galt bisher der Befund eines solchen Webstuhles mit 106 Webgewichten in der mittelalterlichen Siedlung Dalem als einer der größten nachgewiesenen Webstühle europaweit, übertrifft die Zahl von 109 Webgewichten aus dem Wittstedter Grubenhaus diesen Befund. Brandspuren und eine große Zahl von Holzkohle in den Einfüllschichten oberhalb der Funde machen deutlich, dass dieses kleine Webhaus durch Feuer zerstört worden war. Dies erklärt auch, weshalb sich hier das umfangreiche Ensemble an Gefäßkeramik erhalten hat.
Nach 4 Grabungsmonaten wurden die Untersuchungen zunächst abgeschlossen, der Sandabbau kann also ungestört weiter durchgeführt werden. Zu danken ist der Firma Wilhelm Stührenberg GmbH, Nordenham, die in den ersten Grabungswochen verständnisvoll die Ausgrabungen hinnahm und in den Folgemonaten ihren Abbau eng mit der Archäologischen Denkmalpflege nicht nur abstimmte, sondern auch die Untersuchungen wesentlich förderte.