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16.11.2006

AOK Niedersachsen und Landkreis Cuxhaven schließen Lücke in kinder- und jugendpsychiatrischer Versorgung

Eine spürbare Lücke in der medizinischen Versorgung des Landkreises Cuxhaven ist endlich geschlossen: Kinder und Jugendliche in seelischer Not, die bei der AOK Niedersachsen versichert sind, erhalten jetzt wohnortnah Hilfe in fünf verschiedenen Anlaufstellen.
Schon seit einigen Monaten hält der Kinder- und Jugendlichenpsychiater Professor Dr. Dietrich Petersen wöchentlich abwechselnd Sprechtage in den Jugendhilfestationen des Landkreises Cuxhaven in Hemmoor, Otterndorf, Bad Bederkesa, Langen und Hagen ab. Bisher hatte es für die rund 30.000 unter 18-Jährigen im Kreisgebiet weder einen niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiater mit Kassenzulassung gegeben noch eine auf die Altersgruppe spezialisierte stationäre Einrichtung.

Das neue Angebot geht auf einen Vertrag zwischen der AOK Niedersachsen und dem Landkreis zurück. „Dieses umfassende Hilfeangebot hat echten Vorbildcharakter“, unterstreichen Sozialdezernentin Meike Jahns und der stellvertetende AOK-Regionalleiter Günter Junge. „Es zeigt, wie konstruktiv und flexibel eine regional organisierte Krankenkasse auf der einen und eine engagierte Gebietskörperschaft auf der anderen Seite erkannte Defizite angehen und zum Wohle der Bevölkerung auch beheben können.“ Das niedersächsische Sozialministerium habe sich betont positiv zu dieser innovativen Lösung geäußert.

Für die AOK ist der Landkreis Cuxhaven die erste Region in Niedersachsen, in der sie das Modell der so genannten Integrierten Versorgung für Kinder in seelischer Not umgesetzt hat. Weitere Landkreise, wie kürzlich der Landkreis Diepholz, sind diesem Beispiel gefolgt. „Integrierte Versorgung“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass zwei bisher getrennt von einander handelnde Systeme künftig Hand in Hand zusammenarbeiten: auf der einen Seite die vom Jugendamt organisierte breit gefächerte Jugendhilfe, auf der anderen die Kinder- und Jugendpsychiater, die die fachärztliche Diagnostik und Behandlung sicherstellen. „Alle Beteiligten versprechen sich davon eine bessere Betreuung der Betroffenen und ihrer Familien. Das Beispiel Cuxhaven zeigt, dass das Modell erfolgreich funktioniert“, sagte Junge.

Die praktische Erfahrung zeigt ein breites Spektrum an Hilfebedarf. „Am einen Ende steht das Kind mit Schulproblemen aus ansonsten intakter Familie, am anderen der suizidgefährdete Jugendliche, der einer sofortigen stationären Behandlung bedarf“, so Meike Jahns.
Wichtig sei bei allem die Einbeziehung der Familie. Es gibt sowohl psychisch kranke Kinder und Jugendliche, für deren Versorgung die Einbindung der Eltern unerlässlich sei. Und es gibt psychisch kranke Eltern, die ihre Erziehungsfunktion nicht mehr wahrnehmen können und deren Kinder dadurch konkreter Hilfe bedürfen. Die Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate in Bremen und anderswo hätten gezeigt, dass Familien in Not und speziell die betroffenen Kinder besonderer Hilfe bedürfen. „Das Modell der integrierten kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung im Landkreis Cuxhaven hat sich bereits in den ersten Monaten als ein hilfreiches zusätzliches Betreuungsangebot bewährt“, so die Sozialdezernentin und der stellvertretende AOK-Regionalleiter übereinstimmend.

Prof. Petersen unterstrich die Bedeutung eines niederschwelligen Versorgungsangebotes: „Meine Erfahrung in den unterschiedlichen Bereichen zeigt, dass eine nachhaltige Hilfe für erkrankte Kinder- und Jugendliche nur durch ambulante Kooperationen möglich ist. Wir vermeiden hier die Chronifizierung von psychischen Erkrankungen und ermöglichen Kindern damit eine positive Entwicklung. Dadurch werden langfristig auch Kosten eingespart.“

Die Sprechtage finden jeweils donnerstags abwechselnd in einer der Jugendhilfestationen statt. Die Termine werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Allgemeinen Sozialdienstes des Amtes Jugendhilfe koordiniert, die in den jeweiligen Jugendhilfestationen tätig sind. Anmeldung bzw. Auskünfte: Landkreis Cuxhaven, Amt Jugendhilfe, Tel.-Nr.: 04721/662838

An eine Ausweitung des Hilfeangebotes ist bereits gedacht. Insbesondere sollen auch Schulen Gelegenheit bekommen, in schwierigen Fällen auf die Sprechtage zurückzugreifen. Eine umfassende Information der Schulen erfolgt in Kürze durch das Amt Jugendhilfe des Landkreises Cuxhaven.