Aktuelles
Landkreis äußert sich zur Entwicklung der Sanierungen am Lichtenberg Gymnasium
Von der Kreisverwaltung beauftragte Unternehmen sanieren einen Gebäudeteil des Lichtenberg Gymnasiums (LiG) in Cuxhaven. Dabei kam es aus verschiedenen Gründen zu Verzögerungen, welche zu Unmut in der Lehrer- und Schülerschaft sowie bei Eltern führten. Der Bereich Liegenschaften des Landkreises Cuxhaven erläutert die Ursachen und Folgen der Bauverzögerungen.
Eine Sanierung im Bestand stellt sowohl Bauherren als auch die jeweiligen Planungsbüros und ausführende Firmen vor große Herausforderungen. Bei der Sanierung eines Gebäudeteils des LiG trat dies in besonderem Maße auf. Trotz diverser Untersuchungen der vorhandenen Bausubstanz vor Beginn der Fassadensanierung kam es beim LiG während der baulichen Ausführung immer wieder zu unerwarteten Erkenntnissen, die eine Neubewertung der Maßnahme und neue Lösungen erforderten. Diese Prozesse haben nicht nur zu einer Verzögerung, sondern auch zu einer ungeplanten Kostensteigerung geführt. Mit dem Nachtragshaushalt 2026 der Kreisverwaltung sollen zusätzliche Haushaltsmittel für diese Maßnahme bereitgestellt werden.
Die erforderlichen Abstimmungen mit der Bauaufsicht und insbesondere der unteren Denkmalschutzbehörde sind für die Gebäudefassade aus baulicher Sicht weitestgehend abgeschlossen. Hierbei ging es insbesondere um die Abwägung, aus Gründen des Denkmalschutzes der Stadt Cuxhaven möglichst viel Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig den statischen und energetischen Anforderungen gerecht zu werden. Auch die Abstimmung zu einem außenliegenden Sonnenschutz, welcher aufgrund der großen Fensterflächen für den Schulbetrieb unumgänglich ist, konnte positiv abgeschlossen werden.
Gründe für die Bauverzögerung
Bereits während der Planung der Sanierungsmaßnahme wurde festgestellt, dass die Fassade komplett rückgebaut und neu errichtet werden muss. Diese Erkenntnis einschließlich der damit verbundenen Neuplanung der Fassade und der Tragwerksplanung sorgte bereits vor Erteilung der Baugenehmigung für Verzögerungen. Somit war die geplante Fertigstellung bis zum Sommer 2026 bereits vor Ausschreibung der Bauausführung ein ambitionierter Zeitplan. Zielsetzung war dabei ein Umzug zurück in das Gebäude innerhalb der Ferien.
Die Entkernung des Gebäudes begann bereits im vergangenen Jahr. Dabei wurde festgestellt, dass auch weitere Bauteile an die Grenze ihrer Lebensdauer kommen und somit ersetzt werden müssen. Hierzu zählt beispielsweise die Decke oberhalb der Kantine, welche komplett entfernt und neu errichtet werden muss. Auch Bereiche im Keller entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen an Abdichtungen und waren kurzfristig umzuplanen.
Beim Rückbau der Außenwände wurde außerdem festgestellt, dass im Kern der Mauer schadstoffbelastete Baustoffe enthalten sind, welche zu dokumentieren und gesondert zu entsorgen sind. Der Ausbau dieser Baustoffe ist aufgrund der Anforderungen nach den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) deutlich aufwendiger und zeitintensiver als bislang geplant. Durch die Bindung im Baustoff und die Einbausituation im Inneren des Bauteils bestand zu keiner Zeit eine Gefährdung bei der Gebäudenutzung. Die Anforderungen nach den TRGS sind einzuhalten, da beim Rückbau der Bauteile die vorhandenen Schadstoffe freigesetzt werden könnten.
Neue Erkenntnisse am heutigen Dienstag: Asbest verbaut
Darüber hinaus wurde heute bei der Bewertung der Baustoffproben, die für die Erstellung des Gutachtens für das Schadstoffkonzept genommen wurden, festgestellt, dass eine punktuelle Sanierung nicht möglich ist. Der Grund dafür ist, dass in den Proben teilweise Asbest nachgewiesen wurde. Das Asbest ist gebunden und überbaut, so dass zu keiner Zeit eine Gefährdung bei der Gebäudenutzung bestand. Im Zuge der Sanierung des Gebäudes könnten aber Asbestfasern freigesetzt werden. Deshalb muss zum Schutz der Mitarbeitenden der Handwerksbetriebe zunächst eine Asbestsanierung durchgeführt werden. Das bedeutet, dass spezialisierte Handwerker die asbesthaltigen Baustoffe nach TRGS-Vorgaben entfernen und entsorgen. Anschließend kann die eigentliche Sanierung durchgeführt werden.
Das Asbest wurde in einer Spachtelmasse unter der Seitenverkleidung der Fenster gefunden. Diese Spachtelmasse wurde punktuell auch an anderen Stellen verwendet. Da die Stellen nicht im Einzelnen nachweisbar sind, ist eine Sanierung des gesamten Gebäudetraktes erforderlich. Nach der aktuellen Gefahrstoffverordnung ist es verboten, Gefahrstoffe zu überbauen, so dass auch gebundene Gefahrstoffe, von denen in diesem Zustand keine Gefahr ausgeht, entfernt werden müssen. Der Zeitaufwand für die Asbestsanierung ist noch nicht absehbar und wird im Konzept zur Schadstoffsanierung ermittelt.
Konzept zur Schadstoffsanierung und Dauer der Sanierungsarbeiten
Das Konzept zur Schadstoffsanierung wird zurzeit erstellt. Dies ist erforderlich, da sämtliche Schadstoffsanierungen vor Weiterführung der Abbrucharbeiten im Bereich der Fassade auszuführen sind, um die Mitarbeitenden der Handwerksbetriebe nicht zu gefährden und um im Bereich der Bauschuttentsorgung die Umweltbelastungen so gering wie möglich zu halten. Die Umsetzung der Schadstoffsanierung ist ab Dezember 2025 geplant, sodass anschließend der Rückbau der Fassade und die weiteren Arbeiten fortgesetzt werden können. „Wir können mit den heutigen Erkenntnissen keinen Zeitpunkt nennen, an dem die Arbeiten abgeschlossen sein werden. Sicherheit geht vor Schnelligkeit. Es ist ein etwa 100 Jahre altes, denkmalgeschütztes Gebäude. Wir müssen immer wieder auf neue Herausforderungen reagieren. Ich sehe auch die damit einhergehenden Belastungen für alle“, betont Landrat Thorsten Krüger.
Vor Bekanntwerden der heutigen Probenergebnisse und dem Umfang von verbautem Asbest sah der Bauzeitenplan vor, dass der Gebäudeteil zum Jahreswechsel 2026/2027 - also ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant - wieder in Betrieb genommen werden sollte. Dies ist nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr möglich. Ein neuer Bauzeitenplan wird nach Abschluss des Schadstoffsanierungskonzeptes erstellt und dann vom Landkreis an Lehrer-, Eltern- und Schülerschaft sowie die Politik kommuniziert.