Seiteninhalt
17.09.2019

Wohnungsbau für Eisvögel und Fledermäuse

Eisvögel sowie Fledermäuse gehören bei uns zu den streng geschützten Arten.

Die Gründe für ihre Gefährdung sind divers (siehe unten), eines haben beide Arten jedoch gemein: Natürliche Behausungen gibt es für diese Arten immer weniger. Um dem entgegenzuwirken, hat die Naturschutzstiftung des Landkreises Cuxhaven zwei Projekte ins Leben gerufen, in denen künstliche Nisthilfen geschaffen wurden. Die Planung und Durchführung geschah dabei durch die Naturschutzstiftung, während die Ingrid und Wilfried Hoppe Stiftung, zusammen mit der NKG Hanseatische Natur- und Umweltinitiative e.V., für die Finanzierung sorgte.

Die Eisvögel

„Dort, wo der Eisvogel vorkommt, ist die Natur noch in Ordnung“ heißt es im Volksmund. Dies liegt daran, dass Eisvögel auf saubere Gewässer angewiesen sind, denn nur dort können sie ihre Hauptnahrung – kleine Fische - finden.

Unsere Gewässer sind in den letzten Jahren sauberer geworden, demzufolge sollte auch die Anzahl der Eisvögel wieder steigen. Das dem nicht so ist, liegt vor allem an einem – dem Ausbauzustand der Gewässer. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Vögeln nisten Eisvögel nicht in „klassischen“ Nestern auf Bäumen, sondern sie graben sich so genannte Brutröhren in Steilwände an den Gewässerkanten. Diese Steilwände entstehen an Abbruchkanten der Gewässer, doch durch Begradigung und Ausbau gibt es diese quasi nicht mehr.

Dies erklärt auch, warum der Bestand der Eisvögel in Europa als stark rückläufig eingestuft wird. Nach EU-Vogelschutzrichtlinie handelt es sich um eine besonders zu schützende Art (Anhang I) mit ungünstigem Erhaltungszustand (SPEC 3).

Um den Eisvögeln zu helfen, macht sich die Naturschutzstiftung des Landkreises Cuxhaven nun auf, um quasi „Fertigwohnungen“ für die fliegenden Edelsteine, wie der Eisvogel auch genannt wird, zu errichten.

Für die erfolgreiche Schaffung eines neuen Eisvogelnistplatzes muss der Standort sorgfältig ausgewählt werden und folgenden Kriterien entsprechen:

  • gute Wasserqualität
  • nicht zu schnell strömend, klare Sicht
  • ausreichend Nahrungsangebot
  • Ufergehölze als Ansitzware
  • keine regelmäßigen Störungen durch Menschen

Auf den Eigentumsflächen der Naturschutzstiftung findet nur eine extensive Nutzung statt. Wo möglich, wird auch den Gewässern wieder mehr Raum gegeben. Zudem gibt es strenge Auflagen, was die Bewirtschaftung der Randstreifen angeht, so dass auch Bewuchs als Ansitz vorhanden ist. Damit sind viele der Bedingungen für den Aufbau einer Nisthilfe erfüllt und die Wahrscheinlichkeit einer Ansiedlung deutlich erhöht.

Die Nisthilfe an sich ist eine Art „Kiste“ aus Holz, in die künstliche Brutröhren, die mit Lehm ausgekleidet sind, eingesetzt werden. Die Kisten wurden aus Siebdruckplatten gefertigt und vor Ort montiert. Aus der Umgebung wurde Erde heran geschafft, um die Kästen auszufüllen und einen Hügel um die Kästen aufzuschichten. Totholz und Steine dienen dazu, den Kasten in die Umgebung einzubetten und weiteren Arten Lebensraum zu schaffen. Eine regelmäßige Kontrolle der Bauten ist durch die Naturschutzstiftung gewährleistet.


Die Fledermäuse

Der ehemalige Bunker auf dem Gelände der Karolinenhöhe in Bad Bederkesa könnte verschiedenen Fledermausarten zukünftig ein Zuhause bieten.

Fledermäuse zählen nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu den streng geschützten Arten. In den letzten Jahrzehnten ist ihr Bestand stark zurückgegangen. Gründe dafür sind unter anderem der Quartierverlust durch Dachsanierung und die Uniformierung der Landschaft, mit der ein erheblicher Nahrungsverlust einhergeht. Vorrangig ernähren sich die Fledermäuse nämlich von Insekten. In Deutschland ist das Vorkommen von 22 Fledermausarten bekannt. Im Landkreis Cuxhaven (ohne Stadt Cuxhaven) sind davon elf Fledermausarten nachgewiesen. Regelmäßig beobachtet werden unter anderem die Zwergfledermaus, die Rauhautfledermaus, die Breitflügelfledermaus und der Großer Abendsegler.

Natürliche Winterquartiere wie Höhlen und Stollenanlagen sind aufgrund der geographischen Gegebenheiten selten, der Schaffung von Überwinterungsmöglichkeiten in Gebäuden kommt somit ein herausragender Stellenwert zu. Die Naturschutzstiftung des Landkreises Cuxhaven hat demnach zur Stärkung der Fledermauspopulation den ehemaligen Bunker auf dem stiftungseigenen Grundstück „Karolinenhöhe“ in Bad Bederkesa zu einem ganzjährig nutzbaren Fledermausquartier umgebaut.

Zu den Umbaumaßnahmen zählt unter anderem die Herstellung einer freistehenden Mauer. Diese soll den Bunker einerseits in sich strukturieren, um ein gewisses Mikroklima zu schaffen, andererseits soll sie Spaltenquartiere für die Fledermäuse bereitstellen. Hierzu wurden Steine und Mörtel unsauber übereinandergeschichtet, sodass Spalten und Löcher entstehen konnten. Steine an der Decke sollen den Fledermäusen zusätzlich das freie Hängen ermöglichen. Der Eingangsbereich wurde zugemauert und mit Einflugschlitzen sowie einer verschließbaren Klappe für Kontrollzwecke versehen. Das Quartier soll nämlich auch genutzt werden, um Fledermäuse bei Notrettungen (z.B. bei Gebäudeabrissen) in dieses Quartier umsiedeln zu können.

Die hohe Luftfeuchtigkeit im Bunker bildet die Voraussetzung für die Eignung als Winterquartier. Aber auch als Wochenstube und als Übergangsquartier kann der Bunker ganzjährig genutzt werden. Im angrenzenden Naturschutzgebiet „Fleckenhölzer“, welches aus geschützten Eichen-Buchen-Wäldern besteht, können die Fledermäuse ideal auf Jagd nach Insekten gehen.

Autor/in: PresseInformationsDienst des Landkreises Cuxhaven