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Modellprojekt: Leuchtturm Cuxhaven

Für schwer psychisch erkrankte Menschen aus dem Landkreis Cuxhaven sind die psychiatrischen Versorgungsmöglichkeiten teilweise nur eingeschränkt zugänglich und schwer erreichbar. Die geringe Bevölkerungsdichte von 96 Einwohnern je Quadratkilometer wird in dem besonders ländlichen Bereich im Norden sogar noch deutlich unterschritten. In dieser Region sind Behandler für psychisch Kranke aufgrund der hohen räumlichen Distanzen und dem starken Fachkräftemangel zum größten Teil nur schwach vertreten und schlecht zu erreichen.

Um die psychiatrische Versorgung in der Stadt Cuxhaven und den Samtgemeinden Land Hadeln, Hemmoor und Börde Lamstedt zu verbessern, hat der Sozialpsychiatrische Dienst des Landkreises Cuxhaven gemeinsam mit Behandlern und Unterstützung durch IVPNetworks GmbH das Projekt »Leuchtturm Cuxhaven« entwickelt. Dieses vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung ausgewählte und geförderte Modellprojekt verfolgt das Ziel, die Versorgung schwer psychisch erkrankter Menschen trägerübergreifend zu verbessern.

„Unser Ziel ist es, den Zugang zur Versorgung für schwer psychisch kranke Menschen deutlich zu verbessern.“, erklärt Sabine Wolters, Fachgebietsleiterin beim Sozialpsychiatrischen Dienst des Landkreis Cuxhaven. „Das ermöglichen wir, in dem wir mobile multiprofessionelle Teams bilden, die trägerübergreifend zusammenarbeiten.“ Für die Patientin/ den Patienten bedeutet dies, dass die Behandler der Region in einem flexiblen Versorgungsnetzwerk zusammenarbeiten und eine abgestufte Behandlung koordinieren. Möglich wird dies durch die Nutzung einer webbasierten Fallakte, in der Versorgungsleistungen verordnet, dokumentiert und abgestimmt werden.

Auch Thelke Scholz, Expertin durch Erfahrung in der Gesundheitsversorgung (EX-IN) und Empowerment College Trainerin, hat an der Entwicklung des Projektes mitgearbeitet. „Ich bin sehr glücklich, dass es uns hier in der Region gelungen ist, auch EX-IN-Genesungsbegleiterinnen in die Versorgung einzubinden. In Cuxhaven und Hemmoor werden sie persönlich vor Ort für die Patienten da sein und sie über die Versorgungsmöglichkeit beraten“, erläutert sie. An beiden Standorten werden Koordinationsstellen für TeilnehmerInnen und Angehörige eingerichtet. Darüber hinaus wird durch das Projekt die weitere Ausbildung von therapieerfahrenen Menschen zu EX-IN-Genesungsbegleitern unterstützet.
Neben den Behandlern erhalten auch die Patientinnen und Patienten Zugriff auf Ihre IT-gestützte Fallakte und haben damit unmittelbaren Einblick in die Organisation und Dokumentation ihrer Versorgung. „Wer zuhause keinen Internetzugang hat oder Hilfe bei der Bedienung der Fallakte benötigt, erhält ebenso persönliche Unterstützung in den Büros der Koordinatoren“, erklärt Thelke Scholz weiter. „Wir verbinden hier Behandler und Leistungserbringer träger- und sektorübergreifend und geben allen Beteiligten Transparenz über die Versorgung“, ergänzt Sabine Wolters. „Das ist in unserer Region bisher einzigartig.“

Aktuell werden die Behandler in der Region über das Projekt informiert und geschult. Zum 1. Juli 2020 sollen die ersten Patienten eingeschrieben werden.

Das Projekt „Leuchtturm Cuxhaven“

Das Modellprojekt richtet sich an schwer psychisch Kranke in den Regionen Stadt Cuxhaven und den Samtgemeinden Land Hadeln, Hemmoor und Börde Lamstedt. Starttermin für die Umsetzung ist der 1. Juli 2020.

Zur Einschreibung müssen bei den PatientInnen die Kriterien einer Severe Mental Illness erfüllt sein: Menschen mit einer psychiatrischen Diagnose, welche über längere Zeit, d.h. über mindestens zwei Jahre Krankheitssymptome aufweisen, die mit erheblichen Auswirkungen auf die Aktivitäten des täglichen Lebens und das soziale Funktionsniveau einhergehen sowie häufig mit einer intensiven Inanspruchnahme des Behandlungs- und psychosozialen Hilfesystems verbunden sind.

Das Projekt wird vom Landkreis Cuxhaven durchgeführt und durch Behandler in der Region unterstützt. Von der IVPNetworks GmbH wird eine digitale Fallakte in einer gemeinsam genutzten IT-Plattform bereitgestellt.
Das Projekt wird vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung finanziell unterstützt.

Sabine Wolters

Sabine Wolters leitet als Ärztin seit zwei Jahren den Sozialpsychiatrischen Dienst im Gesundheitsamt Landkreis Cuxhaven.

Vorher war sie mehr als acht Jahre in der Psychiatrischen Klinik des Klinikums Bremerhaven Reinkenheide tätig, u.a. im geschützten Bereich und auf der Suchtstation. In dem Rahmen hat sie gemeinsam mit einer Psychologin die Frauensuchtgruppe geleitet. In der Klinik hat sie die Tätigkeitsaufnahme der ersten Genesungsbegleiter erlebt und die Umsetzung von Recovery im stationären Alltag begleitet.

Thelke Scholz

Thelke Scholz arbeitet als freiberufliche Dozentin im sozialpsychiatrischen Bereich u.a. zum Thema Kooperation in der Genesungsbegleitung sowie Recovery und Medikamentenreduktion. Sie arbeitet im Vorstand des "TANDEM e.V. - Soziale Teilhabe gestalten" in Bremervörde mit und hat bereits mehrere Projekte zusammen mit dem Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie konzipiert und umgesetzt. Weiter ist sie Autorin zahlreicher Veröffentlichungen zu den Themen EX-IN, Medikamentenreduktion und anderer, sozialpsychiatrischer Themen. Als Expertin durch Erfahrung in der Gesundheitsversorgung (EX-IN) und Empowerment College Trainerin verantwortet sie im Rahmen der Projektentwicklung die Themen EX-IN-Genesungsbegleitung und Gestaltung der Koordinatorenstellen.

Gerne beantworten wir Ihre Fragen:

Telefon: 04721 66-2911
Fax: 04721 66-270987
E-Mail: s.wolters(at)landkreis-cuxhaven.de
Raum: C15/C16 - Container
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