Kräuterspirale -  ein Pflanzplan

Eine Kräuterspirale ist ein Gartenbauwerk, das den unterschiedlichen Anforderungen von Kräutern an den Standort gerecht werden soll. Da aber nur eine relativ geringe Fläche zur Anpflanzung zur Verfügung steht, wird man in der Regel Kompromisse machen müssen. Daher ist dieser Pflanzplan eher Anregung statt starre Anweisung.

Über die Klima- und Bodenansprüche der einzelnen Pflanzen hinaus sind auch gegenseitige Unverträglichkeiten und die Größe einzelner Pflanzen zu beachten. Bestimmte Kräuter müssen in regelmäßigen Abständen umgesetzt werden, damit sie nicht wegen einer aufkommenden Bodenmüdigkeit verkümmern.

Deutlich zu erkennen sind die Pflanzonen (durch Steine markiert): Mittelmeerzone (Sand), Schattenzone (Gartenerde/Sand), Feuchtzone (Gartenerde/Kompost) und Teich

Pflanzzonen
Eine Kräuterspirale sollte mindestens über drei sehr unterschiedliche Pflanzzonen verfügen. Natürlich sind feinere Abstufungen denkbar, aber nicht immer von Dauer. Auswaschungen, Verlagerung nach Starkregen, Laubfall, Umpflanzungen verändern den eingesetzten Boden schleichend.

Mittelmeerzone
Sand eventuell mit Kalksplitt versetzt, keine Gartenerde, kein Kompost. Die Wurzelballen der Jungpflanzen enthalten ausreichend humose Substanzen. Platz in voller Sonne am höchsten Punkt der Spirale. Schnelle Erwärmung des Bodens und gute Drainageeigenschaft geben den Mittelmeerkräutern ideale Voraussetzungen für langsames Wachstum, das sich günstig auf die Inhaltsstoffe auswirkt.

An der Spitze: Lavendel, Rosmarin, Ysop, Bergbohnenkraut, Majoran, Thymian, Currykraut
Im Übergang zur Schattenzone: Oregano, Salbei, Bergbohnenkraut
In den Mauerlücken: Thymian, Tripmadam

Schattenzone
Sand und Gartenboden je zur Hälfte, eventuell ein wenig Kompost bei magerer Gartenerde. Lage hinter der höchsten Windung. Der Wurzelbereich der Pflanzen liegt überwiegend im Schatten. Der Boden ist über lange Zeiträume mäßig feucht. Wüchsige Pflanzen werden zu langsamerem Wachstum gezwungen. Dafür werden andere Pflanzen nicht erdrückt, und die Qualität der Inhaltsstoffe steigt.

Estragon, Ysop, Schnittlauch, Pimpinelle, Salbei, Petersilie, Basilikum
Im Übergang zur Feuchtzone: Zitronenmelisse, Borretsch, Kerbel

Feuchtzone
Gartenerde und Kompost je zur Hälfte. Kein Zugabe von Sand, auch nicht bei schwerer Erde, die Lockerheit wird durch den Kompost erreicht. Eventuell Übergang in einen Teich. Ausrichtung zur Morgen- oder Abendsonne, je nach Drehsinn. Nährstoffreicher, immer gut feuchter Boden sowie abends und morgens feuchte Umgebungsluft. Aussaaten keimen allerdings spät.

Petersilie, Schnittlauch, Bärlauch, Borretsch, Pfefferminze, Weinraute, Kapuzinerkresse, Kümmel, Dill
Am und im Teich: Brunnenkresse, Wasserminze, Bachbunge

Unverträglichkeiten
Pflanzenunverträglichkeiten untereinander müssen nicht, können aber auftreten. Wenn eine oder mehrere Pflanzen in unmittelbarer Nachbarschaft nach mehrmaligem Anpflanzen oder Aussäen nicht gedeihen, ist das ein deutlicher Hinweis auf Unverträglichkeit. Davon betroffen sind nur wenige Kräuter.
Petersilie
Wenn in ihrer Kräuterspirale Petersilie, immerhin eines der wichtigsten Küchenkräuter überhaupt, nichts wird, ärgern Sie sich nicht. Es liegt an der Petersilie, nicht an Ihnen. Petersilie braucht vor allem viel Abstand zu fast allen anderen Pflanzen. Auch sollten Samen mindestens vier Jahre lang nicht an die Stelle abgeernteter Altpflanzen gesät werden. Petersilie verträgt sich nämlich nicht einmal mit sich selbst.
Kerbel
Leider erweist sich oft auch der wichtigste Ersatz für Petersilie, der Kerbel, als schwierig. Kerbel und Kresse nebeneinander werden kaum gedeihen und sogar getrennt durch andere Pflanzen mögen sie sich nicht. Auch ein Kleeblatt aus Kerbel, Bohnenkraut und Zitronenmelisse bringt oft keine wüchsigen Pflanzen hervor. Kerbel und Koriander mögen sich nicht. Will man keine langen Experimente machen, verzichtet man in den ersten Jahren besser auf Kerbel in der Kräuterspirale.
Rosmarin
Rosmarin und Thymian, sowie Portulak und Rosmarin haben in direkter Nachbarschaft Schwierigkeiten miteinander. Rosmarin ist aber ein so unverzichtbares Küchenkraut, das unbedingt mehrere Versuche lohnt. Vor allem junge Rosmarinpflanzen benötigen einen Winterschutz oder sollten ausgepflanzt und frostfrei aufbewahrt werden. Im Frühjahr kann man über einen besseren Standort in der Spirale nachdenken.

Bodenmüdigkeit
Einige Pflanzen nutzen das Nährstoffangebot nicht gleichmäßig. Daher stehen ihnen nach einigen Jahren wichtige Nährstoffe nicht mehr ausreichend für ein starkes Wachstum zur Verfügung, obwohl der Boden an sich noch reichlich Nährstoffe enthält. Diesem Phänomen begegnet man am Besten mit Umpflanzen. In einigen Fällen kommt allerdings nur noch ein kompletter Bodenaustausch in Frage. Beste Beispiele dafür sind Pfefferminze und Petersilie. Schnittlauch und Estragon dagegen sollten nach drei bis fünf Jahren einen anderen Standort bekommen.

Platzbedarf
Es gibt Kräuter, die werden einfach zu groß für eine normale Kräuterspirale: Liebstöckel, Beinwell, Wermut, Meerrettich, Koriander sind im jedem Fall zu raumgreifend und erdrücken andere Kräuter. Kleine Kräuterspiralen können aber auch schon mit Zitronenmelisse und Lavendel überfordert sein.

Widerstandsfähigkeit
Basilikum, für viele der Inbegriff eines Mittelmeerkrautes, gedeiht leider selten in Kräuterspiralen. Zu empfindlich sind die zarten Triebe, und zu lecker schmecken sie den Schnecken. Basilikum ist in einem einzeln stehenden Topf besser aufgehoben.
Vor allem als Jungpflanzen sind manche Kräuter aus dem Mittelmeerraum empfindlich gegen Bodenfrost oder kalte Winde. Wer nichts riskieren möchte, nimmt seinen Rosmarin im Herbst aus der Spirale und lässt ihn an einem frostfreien Platz überwintern. Beim Estragon sollte zwischen der frostharten "russischen" und der empfindlicheren "französischen" Varietät unterschieden werden.