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Interne Mitteilungen


02.05.2018

Schutz und Erhalt von Libellen und Moorgewässern im Landkreis Cuxhaven

Im Rahmen des mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) geförderten Projektes „Management von Hochmoorflächen“ erfolgte im Sommer 2017 erstmals eine Erfassung der Libellen-Fauna innerhalb der vier das Projekt umfassenden, innerhalb des europäischen Schutzgebietssystemes "Natura 2000" gelegenen Moorgebiete:

- „Dorumer Moor“
- „Basmoor und Tunschlikers Moor“
- „Kuhlmoor und Tiefenmoor“
- „Wollingster See und Randmoore“

Bei dieser durch den Mitarbeiter der Naturschutzstiftung Jan-Hinnerk Schwarz durchgeführten Kartierung konnten insgesamt 26 Arten von insgesamt 73 in Niedersachsen bzw. 81 in Deutschland heimischen Arten nachgewiesen werden. Das Vorkommen einiger weiterer Arten wird vermutet, da diese oftmals über eine sehr rasche Flugaktivität verfügen, sich in mehreren Metern Höhe wie in Baumkronen oder anderen unzugänglichen Stellen aufhalten.

Erfreulicher Weise konnten bei der Erfassung auch drei seltene, ausschließlich auf Moorgewässer spezialisierte Arten nachgewiesen werden, deren Existenz hier zuvor noch nicht bekannt gewesen ist:

1. Zarte Rubinjungfer (Ceriagrion tenellum)
2. Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia)
3. Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis)

Aufgrund Ihrer Gefährdung stehen diese drei Arten auf der Roten Liste. Während die Zarte Rubinjungfer (Abb. 1) sowie die Kleine Moosjungfer (Abb. 2) in den meisten Gebieten vorkommen, konnte die Große Moosjungfer (Abb. 3) bisher nur im Dorumer Moor nachgewiesen werden. Dabei handelt es sich um eine besonders streng geschützte Libellenart der europäischen FFH (Flora-Fauna-Habitat)- Richtlinie, die gegenüber den anderen Arten den höchsten gesetzlichen Schutzstatus genießt.

Der heute gebräuchliche Name „Libellen“ stammt ursprünglich aus einer wissenschaftlichen Beschreibung, bei dem die Libellenlarven an einen T-förmigen Hammerhai mit dem Gattungsnamen Libella erinnerten. Vorher wurden diese Insekten im hochdeutschen Sprachraum als „Schleifer“, „Augenstecher“ oder „Wasserjungfern“ sowie im niederdeutschen gar als „Kohsteert“ (Kuhschwanz), „Waterpeerd“ (Wasserpferd), „Biekjungfern“ (Bachjungfern), „Schillerbuck“ (Schillerbock) oder gar „Schillerbold“ (Schillernde) bezeichnet.

Als Resultat der Kartierung ist es zur Erhaltung und Mehrung dieser seltenen Moor-Libellen geplant, die in allen vier Gebieten bereits bestehenden Moorgewässer zu erhalten sowie zusätzlich noch weitere anzulegen. Typisch für diesen ebenfalls nach der FFH-Richtlinie geschützten Lebensraumtyp „Dystrophe Seen und Teiche“ (vgl. Abb. 4) ist seine Nährstoff-Armut als auch sein Huminsäuren-Reichtum, der das an sich klare Wasser braun färbt. Oftmals sind solche Moorgewässer (incl. naturnaher Torfstiche sowie Teiche) mit Torfmoosen bewachsen. Des Weiteren dienen diese auch dem seltenen Kleinen Wasserschlauch (Abb. 5) als auch dem Moorfrosch (Abb. 6) als Lebensraum.

Zum Schutz dieser Libellen sowie des Moorfrosches ist es unerlässlich, die Gewässer fischfrei zu halten und schattenwerfende Gehölze und Bäume im Umfeld zu entfernen. Dementsprechend erfolgte als Maßnahmenbeginn im Winter 2017/2018 im Kuhl- und Tiefenmoor die Freistellung zweier dystropher Teiche, im Bereiche einer ehemaligen und bereits von der Stiftung aufgekauften, alten Fisch-Teichanlage (Abb. 7).

Abb. 1: Die Zarte Rubinjungfer (Ceriagrion tenellum), auch als Scharlachlibelle oder Späte Adonislibelle bezeichnet, gehört in den Projektgebieten zu den Individuuen-reichsten Moorlibellen. 



Abb. 2: Die Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia) - einst Libelle des Jahres 2014 – besiedelt reich mit Torfmoosen bewachsene Moorgewässer und kommt in mindestens drei der vier Projektgebiete vor, wenn auch in geringer Indivuduenzahl.



Abb. 3: Die Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis)
ist die Größte von insgesamt fünf in Niedersachsen und in Deutschland vorkommenden Arten aus der Gattung der Moosjungfern (Leucorrhinia).


Abb. 4: Ein naturnahes und mit Torfmoosen verlandenes Moorgewässer im Dorumer Moor, welches durch die Vernässung eines ehemaligen Torfstiches entstanden ist.




Abb. 5: Der Kleine Wasserschlauch (Utricularia minor)
ist eine fleischfressende Wasserpflanze, die mittels kleiner Fangblasen z.B. Wasserflöhe verzehrt und im Sommer gelbe Blüten entwickelt.




Abb. 6: Der Moorfrosch (Rana arvalis) bevorzugt sonnige Flachgewässer, in denen die Männchen zur Paarungszeit für nur wenige Tage eine intensive Blaufärbung aufweisen. Die Rufe des im Cuxhavener Platt auch als Ietschepong bezeichneten Frosches hören sich wie das Blubbern einer unter Wasser getauchten Flasche an.



Abb. 7: Der Maßnahmenbeginn zum Schutz und Erhalt der Moorgewässer im Landkreis Cuxhaven erfolgte im Winter 2017/2018 im NSG Kuhl- und Tiefenmoor. Zur Besonnung der Gewässer wurden durch die Mitarbeiter der Stiftung Silas Neuman, Andre Hencke und Volker Meyn die Ufergehölze entfernt.

Autor/in: Presse- und InformationsDienst des Landkreises Cuxhaven