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Headfoto Modellregion BMVI

 

Integriertes Kooperationsraum- und Mobilitätskonzept

Die Städte und Gemeinden im Landkreis Cuxhaven spüren zunehmend die Auswirkungen des demografischen Wandels. Zum Teil sind auch die Folgen von Gemeindefusionen zu bewältigen. Beide Entwicklungen führen dazu, dass Daseinsvorsorge und Mobilität „neu“ gedacht werden muss. Ziel des Modellvorhabens ist es, die Kommunen bei der aktiven Gestaltung solcher Prozesse zu unterstützen. Hierbei wird eine Doppelstrategie verfolgt, die innovative Ansätze aus der Regionalplanung einerseits und der Verkehrsplanung andererseits zusammenführt. Solche Lösungen können einen Beitrag dazu leisten, entweder die Versorgung der Bevölkerung vor Ort zu verbessern oder Angebote der Daseinsvorsorge in Versorgungs­zentren zu bündeln, die auch ohne eigenes Auto verkehrlich gut erreichbar sind. Um die wirtschaftliche Tragfähigkeit solcher Angebote auch mittel- bis langfristig sicherzustellen, können neue Kooperationsformen zum Tragen kommen.

In der Planungsphase des Modellvorhabens (12/2016 – 06/2017) haben die Teilnehmer der Arbeitskreise „Daseinsvorsorge“ und „Mobilität“ verschiedene innovative Ansätze in den jeweiligen Bereichen diskutiert und ihrer Übertragbarkeit auf den Landkreis Cuxhaven bewertet. Im Ergebnis ist ein Integriertes Kooperationsraum- und Mobilitätskonzept für den Landkreis Cuxhaven aus sechs Bausteinen entstanden, mit denen sich Daseinsvorsorge und Mobilität in der Region besser als bisher sicherstellen lassen. Die Bausteine sind inhaltlich aufeinander abgestimmt, lassen sich jedoch unabhängig voneinander umsetzen:

  • Multifunktionale Ansätze zur Sicherung der Daseinsvorsorge

In multifunktionalen Einrichtungen sollen unterschiedliche  Angebote aus den Bildung, Gesundheit & Pflege, Nahversorgung, Soziales & Begegnung, Kultur, Sport & Freizeit sowie Verwaltung  gebündelt werden. Neue Integrations- und Kooperationsmodelle helfen dabei, diese Angebote auch in nachfrageschwachen Räumen langfristig tragfähig zu machen. Auch eine Verknüpfung von mobilen und stationären Angeboten denkbar.

  • Mobile Ansätze in der Daseinsvorsorge

Mobile Versorgungsangebote bieten die Möglichkeit, entsprechende Dienstleistungen auch in kleineren Orten trotz fehlender stationärer Einrichtungen zumindest temporär vorzuhalten. Mobile Angebote sind in den Bereichen Bildung, Gesundheit & Pflege (z.B. Telemedizin, nichtärztliche Praxisassistenz), Nahversorgung (z.B. Einkaufs-Fahrdienst, mobiler Supermarkt, Lieferservice), Soziales & Begegnung, Kultur, Sport & Freizeit sowie Verwaltung denkbar. Sie erreichen dadurch schneller die wirtschaftliche Tragfähigkeit, weil sie aufgrund ihrer „Mobilität“ gegenüber stationären Angeboten ein größeres Versorgungsgebiet abdecken können.

  • Gleichwertige ÖPNV-Anbindung der Versorgungszentren im Landkreis Cuxhaven

Mit Ausnahme der Versorgungszentren Ihlienworth und Lamstedt sind alle übrigen Versorgungszentren im Landkreis Cuxhaven an ein hochwertiges ÖPNV-Netz aus vollständig oder weitgehend vertakteten Bus- oder Bahnlinien angebunden. Das Konzept enthält Vorschläge, wie auch für Ihlienworth und Lamstedt eine Einbindung in das hochwertige ÖPNV-Netz aussehen könnte, sowie zur Verbesserung der ÖPNV-Anbindung der Versorgungszentren Beverstedt und Hagen im Bremischen. Auf der Basis von Nachfragepotenzialschätzungen für verschiedene Bedienungskorridore zwischen den Versorgungszentren wurden Fahrplangrobkonzepte erarbeitet und Umsetzungs­möglichkeiten ausgelotet. Als Hemmnis für eine zeitnahe Umsetzbarkeit erweisen sich hierbei die Festlegungen des Nahverkehrsplans, hinausgehend über das Fahrtenangebot, das von den Verkehrsunternehmen derzeit eigenwirtschaftlich im Rahmen von Konzessionen nach §§ 42 und 43 PBefG erbracht wird, keine weiteren Fahrten im konventionellen Linienverkehr zu „bestellen“ oder auszuschreiben, da dies zum einen die Eigenwirtschaftlichkeit gefährden könnte und zum anderen rechtlich umstritten ist.Die Verkehrsunternehmen wiederum erachten die zu erwartenden Nachfrage als nicht ausreichend für einen rein eigenwirtschaftlichen Betrieb.

  • Multifunktionale Mobilitätsangebote

Die Idee hinter dieser Ansatz: Mehrere Akteure (gewerblich, institutionell oder privat) nutzen gemeinsam ein- und dasselbe Fahrzeug oder einen Fahrzeugpool für unterschiedliche Zwecke und zu jeweils anderen Zeiten. Das Fahrzeug kann bspw. zugleich Poolfahrzeug einer Verwaltung oder eines Unternehmens und Carsharing-Fahrzeug für die Bürger sind und darüber hinaus für einen ehrenamtlichen Fahrdienst zur Verfügung stehen. Weil sich mehrere Akteure das/die Fahrzeug(e) teilen, ergeben sich Effizienzpotenziale aufgrund einer besseren Fahrzeugauslastung und geringerer Fahrzeugvorhaltekosten für den Einzelnen (Wartung, Instandhaltung, Abschreibung). Damit ergeben sich auch neue Optionen für Gemeinschaftsverkehre und geteilte Mobilitätsangebote (Sharing-Angebote), die sonst aus Rentabilitätsgründen nicht möglich wären.

  • Kleine Mobilitätsstation „XS“

Eine gute Verknüpfung von ÖPNV und Sharing-Angebote (Bike- und Carsharing) bietet neue Mobilitätsoptionen für die „erste bzw. letzte Meile“ im Vor- und Nachlauf zum ÖPNV oder als Alternative, wenn der ÖPNV nicht (mehr) fährt. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, ist die räumliche Bündelung verschiedener Mobilitätsangebote an sogenannten Mobilitätsstationen. Diese findet man bislang vor allem in Großstädten. Mit dem Konzept der Mobilitätsstation „XS“ wird der Ansatz in Form kleiner Mobilitätsstationen auch auf den ländlichen Raum übertragen. Dabei werden an zentral gelegenen und regelmäßig bedienten Bushaltestellen bzw. kleineren Bahnhöfen im ländlichen Raum Verleihräder oder Carsharing-Fahrzeuge (ggf. auch nicht-kommerziell) angeboten. Darüber hinaus gibt es Haltestellen für Rufbus bzw. AST und Bürgerbus, gesicherte Fahrradabstellmöglichkeiten, ggf. Taxiwarteplätze und – je nach Ort – weitere Serviceangebote, wie z.B. Briefkasten, Paketstation oder E-Ladestation.

  • Der Weg zur digitalen Gemeinde durch Plattformlösungen

Beinahe alle Lebensbereiche werden heute bereits durch die Digitalisierung beeinflusst. Mit der Digitalisierung hat die digitale Plattform-Ökonomie (z.B. Online-Marktplätze)  im Wirtschaftsleben einen wichtigen Platz eingenommen. Mobile Endgeräte und Apps sowie cloudbasierte Plattformen ermöglichen immer und überall einen schnellen und effizienten Zugang zu Ressourcen aller Art. Auch im ländlichen Raum bieten digitale Dienstleistungen, die auf Plattformlösungen basieren, gute Chance, um bestehende Defizite bei der Vor-Ort-Infrastruktur zu verringern, z.B.:

    • Internethandel und neue, bspw. auf Crowd-Sourcing beruhende – Liefermodelle ermöglichen eine bessere Versorgung der Bevölkerung mit Waren aller Art.
    • Die medizinische Versorgung kann über digitale Angebote (Telemedizin) verbessert werden.
    • Bildungsangebote sind ohne Präsenzanforderungen realisierbar.
    • Nachbarschaftshilfe, Pflege- und sonstige Dienstleistungen können über Internetplattformen besser koordiniert werden (z.B. Ehrenamtsbörse, Nachbarschaftshilfe).
    • Auch Mobilitätsangebote und -ressourcen lassen sich über digitale Plattformen besser organisieren und an den Mobilitätsbedarf der Bevölkerung anpassen (z.B. AST- oder Carsharing-Buchung, Mitfahrbörse)

Notwendige Voraussetzung ist jedoch eine flächendeckend vorhandene digitale Infrastruktur (Breitband, Mobilfunknetz).