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04.06.2014

Ausgrabung einer mittelalterlichen Burg bei Stotel

Am Rande der Ortschaft Stotel liegt eine mittelalterliche Burg, deren Reste als Bodendenkmal erhalten sind.

Auch auf topographischen Karten wird sie als „ehem. Grafenburg“ bezeichnet. Damit sind die Grafen von Stotel gemeint, die urkundlich vom späten 12. Jh. bis in die Mitte des 14.Jh. belegt sind.

Findlinge mit Mörtelresten, die bei Bodenarbeiten 2006 am alten Lauf der Lune zu Tage kamen, waren Anlass für die Archäologische Denkmalpflege des Landkreises Cuxhaven, Ausgrabungen durchzuführen.

Dabei wurden seit dem Sommer 2013 zunächst Reste einer nahezu kreisrunden Mauer frei gelegt, die einen äußeren Durchmesser von rd. 36 m besitzt. Die aus Feldsteinen erbaute Mauer weist an ihrer Basis eine Stärke von 1,60 m auf und ist noch bis rd. 1,70 m Höhe erhalten. Es handelt sich hierbei zweifellos um eine zweite Burg bei Stotel.

Im Süden der Anlage wurden im Februar 2014 die Fundamente eines 7,65 m breiten Torbaues ausgegraben, der Durchgangsbreiten von 2,35 m (außen) und 1,90 m (innen) besitzt.

Hochmittelalterliche Burgen, bzw. deren Reste, sind im gesamten Landkreis Cuxhaven bekannt. Sie sind aber - im Gegensatz zur neu entdeckten Burg bei Stotel – einfache Holz- bzw. Holz-Erde-Konstruktionen und gleichen damit anderen Burgen im gesamten norddeutschen Flachland. Kreisrunde, gemauerte Burgen des Hohen und späten Mittelalters sind demgegenüber aus den Niederlanden bekannt. Beispielhaft sind die Bauten von Teylingen und Leiden in der Provinz Süd-Holland zu nennen.

Ganz ungewöhnlich ist das Nebeneinander der zwei Burgen bei Stotel, die nur rd. 350 m auseinander liegen. In den kommenden Monaten wird die Archäologische Denkmalpflege versuchen, das zeitliche Verhältnis der beiden Anlagen zueinander zu klären. Bislang reicht der geringe Bestand an Funden noch nicht aus, das genaue Alter der steinernen Burg festzulegen. Vor wenigen Tagen freigelegte Bauhölzer lassen aber eine exakte Datierung mit Hilfe der Dendrochronologie erwarten.

Nach der urkundlichen Überlieferung sollen die Stedinger – die einheimischen Bauern – 1214 die Burg der Grafen von Stotel zerstört haben. Diese Nachricht wird sich kaum auf die jetzt ausgegrabene Burg beziehen. Es fanden sich nämlich bis jetzt keine Brand- oder Schuttschichten, die dann zu erwarten wären. Es hat vielmehr den Anschein, dass diese Burg planmäßig abgebaut und die Steine abtransportiert worden sind. Dies könnte die Erklärung dafür sein, dass die jetzt entdeckte Burg in keiner historischen Karte vermerkt ist, z.B. in der Karte der kurhannoverschen Landesaufnahme von 1768.

Zu danken ist Herrn Ludolf Bode, dem Grundeigentümer, der 2006 die ersten Steinfunde meldete und die aktuelle Grabung großzügig fördert. Besonderer Dank gilt auch der Burggesellschaft Bederkesa e.V., die die Untersuchungen mit erheblichen Mitteln unterstützt.

Autor/in: Presse- und InformationsDienst des Landkreises Cuxhaven