Seiteninhalt

Warum frühkindliche Leseförderung?

Begegnungen mit Büchern sind zugleich Begegnungen mit Sprache. Schon in den ersten Lebensjahren können regelmäßige Begegnungen mit Büchern dazu beitragen, dass Kinder ihre sprachlichen Fähigkeiten, ihren Wortschatz und ihr Sprachverständnis weiterentwickeln.

Das beginnt schon, bevor Kinder selbst sprechen können. Beim gemeinsamen Betrachten von Bilderbüchern können Eltern und pädagogische Fachkräfte auf Blicke, Gesten, Laute und erste Äußerungen der Kinder reagieren und sie sprachlich begleiten. Bilder laden dazu ein, zu zeigen und zu benennen, Bekanntes wiederzuerkennen und Neues zu entdecken. Mit zunehmender Sprachentwicklung kommen Fragen und eigenes Erzählen hinzu.

Für Begegnungen mit Büchern ist es nie zu früh.

Was die Forschung zeigt

1. Bilderbücher erweitern den Wortschatz – besonders, wenn Kinder mitreden.

Beim gemeinsamen Bilderbuchlesen lernen Kinder neue Wörter. Eine Meta-Analyse von 38 Studien mit insgesamt 2.455 Kindern bestätigt diesen Wortlerneffekt. Besonders positiv wirkt es sich auf den aktiven Wortschatz aus, wenn Kinder beim gemeinsamen Lesen selbst zu Wort kommen und in das Gespräch über das Buch einbezogen werden.

Flack, Z. M., Field, A. P., & Horst, J. S. (2018). The effects of shared storybook reading on word learning: A meta-analysis. Developmental Psychology, 54(7), 1334–1346. DOI: 10.1037/dev0000512
Mol, S. E., Bus, A. G., de Jong, M. T., & Smeets, D. J. H. (2008). Added value of dialogic parent–child book readings: A meta-analysis. Early Education and Development, 19(1), 7–26. DOI: 10.1080/10409280701838603

2. Für Bücher ist es nie zu früh.

In einer Studie mit 286 Familien zeigte sich: Je häufiger Mütter ihren neun Monate alten Kindern vorlasen bzw. gemeinsam mit ihnen Bücher betrachteten, desto besser waren im Alter von 18 Monaten im Durchschnitt sowohl das Sprachverständnis als auch die aktive Sprache der Kinder.

Chen, Y., Cabrera, N., Sudduth, C., & Reich, S. M. (2024). Contributions of mothers’ and fathers’ shared book reading with infants at 9 months to language skills at 18 months in ethnically and socioeconomically diverse families. Infant and Child Development, 33(5), e2516. DOI: 10.1002/icd.2516

3. Bücher in Familien bringen macht Lust aufs gemeinsame Lesen.

Eine Meta-Analyse von 44 Studien zeigt: Wenn Familien Kinderbücher erhalten, lesen Eltern häufiger gemeinsam mit ihren Kindern. Und nicht nur das: Sie zeigen auch mehr Interesse am gemeinsamen Lesen. Auch die Kinder interessieren sich stärker für Bücher und Lesen. Zudem zeigen sich positive Effekte auf Wortschatz, Geschichtenverständnis und erste Kenntnisse über Schrift, Buchstaben und Laute.

de Bondt, M., Willenberg, I. A., & Bus, A. G. (2020). Do book giveaway programs promote the home literacy environment and children’s literacy-related behavior and skills? Review of Educational Research, 90(3), 349–375. DOI: 10.3102/0034654320922140