Das Schicksal der ostpreußischen Wolfskinder - Historiker Dr. Christopher Spatz spricht am 8. November in Otterndorf
Sie verloren ihre Eltern, ihre Heimat und oftmals jede Hoffnung auf ein sicheres Leben: Die ostpreußischen Wolfskinder gehören zu den tragischen Schicksalsgruppen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Über ihre bewegenden Lebenswege berichtet der Historiker Dr. Christopher Spatz am Sonntag, 8. November 2026, um 18 Uhr in der Stadtscheune Otterndorf, Sackstraße 4. Mit der Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Demokratie & Erinnerungskultur“ setzt das Archiv des Landkreises das Vortragsformat „Historische Wanderungsbewegungen ins und aus dem Cuxland“ fort.
Der Vortrag „Vom langen Weg der ostpreußischen Wolfskinder“ findet im Rahmen der Ausstellung „Angekommen – Die Integration der Vertriebenen in Deutschland“ statt, die derzeit im Kranichhaus – Museum des Landes Hadeln in Otterndorf zu sehen ist. Veranstalter sind das Kreisarchiv des Landkreises Cuxhaven und der Bundesverband des Bundes der Vertriebenen (BdV).
Am Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte die Bevölkerung im nördlichen Ostpreußen und in Königsberg eine humanitäre Katastrophe. Hunger, Unterernährung und Seuchen forderten zahlreiche Todesopfer. Viele Kinder verloren ihre Eltern und mussten allein ums Überleben kämpfen. Einige gelangten in sowjetische Heime, andere flohen nach Litauen, wo sie sich mit Betteln und Gelegenheitsarbeiten durchschlugen. Jahrzehntelang fand ihr Schicksal kaum öffentliche Beachtung. Erst in den 1990er-Jahren wurde ihr Leid stärker wahrgenommen und die Forderung nach gesellschaftlicher Anerkennung laut.
Dr. Christopher Spatz hat die Lebensgeschichten dieser Kinder wissenschaftlich erforscht. In mehr als 50 Interviews sprach er mit Betroffenen und rekonstruierte ihre oftmals erschütternden Lebenswege. In seinem Buch lässt er die ehemaligen Wolfskinder selbst zu Wort kommen. 2017 begleitete er wissenschaftlich die Bemühungen um eine Entschädigung durch die Bundesrepublik Deutschland. 2019 erhielt er den Ostpreußischen Kulturpreis.
Nach einem einführenden Vortrag zur historischen Einordnung haben die Besucherinnen und Besucher Gelegenheit, Fragen zu stellen und eigene Erfahrungen und Erinnerungen einzubringen. Eine gemeinsame Abschlussdiskussion bietet Raum für den Austausch.
Die begleitende Ausstellung „Angekommen – Die Integration der Vertriebenen in Deutschland“ beleuchtet die Erfahrungen der bis zu 15 Millionen Deutschen, die infolge von Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg in die deutschen Nachkriegsstaaten gelangten. Sie zeigt die Herausforderungen der Aufnahme und Integration sowie die Spannungen zwischen Vertriebenen und Alteingesessenen. Der Vortrag richtet den Blick dabei besonders auf das Schicksal der Kinder, die unter den Folgen von Flucht und Vertreibung in besonderer Weise litten.
Die Veranstaltung wird durch das Bundesministerium des Innern gefördert.
Da die Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze begrenzt ist, wird eine Platzreservierung unter der E-Mailadresse j.kuhnt@landkreis-cuxhaven.de empfohlen.
Der Eintritt ist frei.
Termin: Sonntag, 8. November 2026, um 18 Uhr
Ort: Stadtscheune Otterndorf, Sackstraße 4, 21762 Otterndorf
Referent: Dr. Christopher Spatz
Veranstalter: Archiv des Landkreises Cuxhaven und BdV-Bundesverband
Foto 1: Dr. Christopher Spatz (mittig im Bild) in Wolfsburg (Dr. Spatz)
Foto 2: Foto zur Ausstellung „Angekommen“ (Bund der Vertriebenen)
Abbildung: Plakat zur Ausstellung (Bund der Vertriebenen)