Veranstaltung am 08. Mai 2026 in Otterndorf möchte die Opfer von Zwangsarbeit und mutige Widerstandskämpfer aus der Region würdigen
Im Rahmen des Themenjahres „Demokratie & Erinnerungskultur“ 2026 lädt das Archiv des Landkreises Cuxhaven zusammen mit Reinhard Krause (früher: Verein „Zukunft durch Erinnern“), der Stadt Otterndorf und Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Otterndorf zu einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung mit musikalischem Rahmen ein. Diese findet am 8. Mai um 17 Uhr am Denkmal für die 14 in Otterndorf verstorbenen Kinder von Zwangsarbeiterinnen statt (Anschrift: Am großen Specken 7, 21762 Otterndorf). Der 8. Mai symbolisiert das Ende von zwölf Jahren NS-Schreckensherrschaft und den demokratischen Neubeginn.
Schülerinnen der Gymnasiums Otterndorf beschäftigten sich im Rahmen eines Schulprojektes mit dem Frauenbild im Nationalsozialismus. So wird an die Verbrechen in Otterndorf erinnert, wo Kinder von Zwangsarbeiterinnen unter menschenunwürdigen Bedingungen ums Leben kamen. Schwangerschaften und Nachwuchs von Ostarbeiterinnen waren unerwünscht, da man befürchtete die Frauen könnten eine geringe oder gar keine Arbeitsleistung erbringen. Zunächst wurden schwangere Polinnen und Russinnen zurück in die Heimat geschickt. Später nötigte man die Frauen zu Abtreibungen und geborene Kinder und Säuglinge wurden in sogenannten Kinderpflegestätten untergebracht, wo sie an den Folgen von Unterernährung und mangelnder Pflege starben.
In einem Kurzvortrag wird Manfred Mittelstedt zudem an die Opfer von Rolf Johannesson in Hadeln und Cuxhaven erinnern. So wurde der sogenannte „Zug der Elenden“ kurz vor Kriegsende bombardiert. In ihm befanden sich auf Befehl von Admiral Johannesson jüdische Zwangsarbeiterinnen aus der MUNA Lübberstedt, Lufthauptmunitionsanstalt und Außenlager des KZ’s Neuengamme. In der MUNA mussten hunderte Menschen aus ganz Europa unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten.
Die Gedenkfeier thematisiert außerdem den Widerstand gegen das NS-Regime in der Region, insbesondere auf der Insel Helgoland. Noch im April 1945 versuchten dort mehrere Männer, die sinnlose Zerstörung der Insel zu verhindern und die kampflose Übergabe zu erreichen. Ihr Handeln wurde jedoch als „Meuterei“ gewertet: Die Todesurteile bestätigte der Marineoffizier Rolf Johannesson, was die Ambivalenz der letzten Kriegstage verdeutlicht. Während einige den Mut fanden, sich dem Regime zu widersetzen, hielten andere bis zuletzt an dessen Strukturen fest.
Die Gedenkfeier möchte verdeutlichen, dass die Erinnerung an das Kriegsende nicht nur eine abstrakte historische Betrachtung ist. Vielmehr zeigen gerade die regionalen Beispiele – von den ermordeten Kindern der Zwangsarbeiterinnen über die Opfer der MUNA Lübberstedt bis hin zu den Widerstandskämpfern von Helgoland –, wie nah die Verbrechen und Entscheidungen jener Zeit auch hier vor Ort waren.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Veranstaltung findet unter freiem Himmel statt. Für Rückfragen steht das Archiv des Landkreises Cuxhaven unter 04751 9148-17, E-Mail: j.kuhnt@landkreis-cuxhaven.de zur Verfügung.