Ausstellung »trotzdem da!« erinnert an Kinder aus verbotenen Beziehungen Landkreis Cuxhaven zeigt Wanderausstellung im Kreishaus
– Vernissage mit Buchvorstellung und Zeitzeugengespräch am 8. Oktober
Sie sind Kinder aus Beziehungen, die während des Zweiten Weltkriegs verboten und unter Umständen mit Gefängnis, Konzentrationslager oder sogar der Todesstrafe geahndet wurden. Die Ausstellung „trotzdem da! Kinder aus verbotenen Beziehungen zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiter*innen“ widmet sich ihren Lebensgeschichten und gibt Menschen eine Stimme, deren Schicksale lange tabuisiert wurden.
Vom 9. Oktober 2026 bis zum 8. Januar 2027 ist die deutsch- und englischsprachige Wanderausstellung im Kreishaus Cuxhaven zu sehen. Der Landkreis Cuxhaven lädt Interessierte herzlich zur Eröffnung am Donnerstag, 8. Oktober 2026, um 19 Uhr ein.
Rund 13 Millionen Kriegsgefangene und Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter mussten während des Zweiten Weltkriegs im Deutschen Reich arbeiten. Freundschaftliche oder intime Kontakte mit Deutschen waren verboten und konnten schwer bestraft werden. Dennoch entstanden Beziehungen – und aus ihnen Kinder. Viele dieser Kinder wussten lange nichts über die Herkunft eines Elternteils. Einige erfuhren erst Jahrzehnte später von ihrer Familiengeschichte und begannen, nach ihren Vätern oder Müttern zu suchen. Gleichzeitig mussten sie mit dem Stigma des „unehelichen“ Kindes und teilweise mit rassistischer Ausgrenzung und Diskriminierung leben.
Die Ausstellung rückt ihre Perspektiven in den Mittelpunkt. Mehr als 20 Menschen aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden haben sich am Forschungsprojekt „trotzdem da!“ der Gedenkstätte Lager Sandbostel beteiligt. Ihre Erinnerungen, persönlichen Dokumente und Fotos bilden die Grundlage der Ausstellung. Sie erzählen von Familiengeheimnissen, der Suche nach den eigenen Wurzeln und dem Umgang mit einer Vergangenheit, über die häufig jahrzehntelang geschwiegen wurde.
„Schattenschicksale“: Buch und Zeitzeugengespräch zur Eröffnung
Zur Vernissage am Donnerstag, 8. Oktober 2026, um 19 Uhr stellt die Journalistin und Autorin Monika Dittombée ihr Buch „Schattenschicksale. Lebenswege der Kriegskinder aus verbotenen Beziehungen“ vor.
Ein besonderer Gast des Abends ist Ton Maas. Er gehört zu den Zeitzeugen, deren Geschichte sowohl in der Ausstellung als auch im Buch erzählt wird. Sein Vater wurde als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt und lernte dort Ton Maas’ Mutter kennen. Erst Jahrzehnte später entdeckte Ton Maas in den Tagebüchern seines Vaters weitere Hinweise auf die Beziehung seiner Eltern und die Gefahren, die mit ihr verbunden waren.
Nach der Lesung gibt es Gelegenheit zum Gespräch und zum gemeinsamen Besuch der Ausstellung.
Termine, Ort und Eintritt
Vernissage: Donnerstag, 8. Oktober 2026 | 19 Uhr
Ausstellung: 9. Oktober 2026 bis 8. Januar 2027
während der Öffnungszeiten: Mo-Fr 8.00-12.00 Uhr, Mo-Do 13.30-15.30 Uhr
Ort: Kreishaus Cuxhaven, Vincent-Lübeck-Str. 2, 27474 Cuxhaven
Eintritt: frei
Die Ausstellung ist eine Leihgabe der Stiftung Lager Sandbostel. Weitere Informationen unter: https://trotzdemda.de/die-ausstellung/ .
Auch Schülerinnen und Schüler, Lerngruppen sowie Klassenverbände sind herzlich eingeladen die Ausstellung während der Öffnungszeiten zu besuchen. Sie bietet hervorragende Anknüpfungspunkte für die Fächer Geschichte und Politik. Die Schülerinnen und Schüler erhalten Informationen zu den Themen Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen, Flucht, Migration wie auch Rassismus und werden angeregt, über das Suchen, Finden und Scheitern in Familiengeschichten zu reflektieren. Materialien für die Bildungsarbeit gibt es unter https://trotzdemda.de/bildungsmaterialien/ .
Kontakt für Schulen und Interessierte:
Janna-Marie Berkmann, Fachbereichsleitung Kultur & Ehrenamt beim Landkreis Cuxhaven
Tel: +49 4721 66-2005
E-Mail: j.berkmann@landkreis-cuxhaven.de